Am Ende hätten viele nicht geglaubt, wie interaktiv der Wandel-Campus sein konnte, trotzdem er online stattfand. Mit 45 offiziellen Anmeldungen haben zwischenzeitlich immerhin 60 Menschen am vielfältigen Campus-Programm teilgenommen. In den 11 Workshops wurden von Geld bzw. Geldfreiheit, über fairen Konsum bis hin zu globaler Sicherheitspolitik vieles diskutiert, was uns entwicklungspolitisch weiter bringt und in Deutschland den notwendigen Wandel schafft.

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Programm und Ablauf

Wie jedes Jahr wurde das Programm von Initiativen und Teilnehmenden mitgestaltet. Und obgleich vieles noch kurz vor Campus-Beginn entstand, schien es am Ende wie aus einem Guss.

ZeitFr. 02.10.20Sa. 03.10.20So. 04.10.20
9:30 – 10:00Wandel Campus 2020Check-In &TagesimpulseCheck-In &Tagesimpulse
10:00 – 13:00Campus-Auftakt: Menschen, Initiativen, ProgrammSelbstbestimmt StudierenZukunftswerkstatt „Sicherheit neu denken“
10:00 – 13:00Meine Stadt von morgenMein Leben von morgen (persönlicher Zukunftsweg)
10:0011:30 – Sharing is Caring -TauschlogikFREIheitBedingungsloses Grundeinkommen
10:00Open SpaceOpen Space
13:00 – 15:00MittagspauseMittagspauseMittagspause
15:00 – 18:00Open SpaceWas ist die Gemeinwohl-Bilanz und was transformiert sie?16:00 Vorstellung: der Kunstbus kommt
15:00 – 18:00(Engagement-Kolleg: Begrüßung und themen)ab 16 Uhr Vergleich der Kartierungsergebnisse(Abschlussrunde EK
14 – 15 Uhr)
15:00 – 17:00Anarchie?Open SpaceNachhaltiger Aktivismus
15:00Open SpaceOpen SpaceOpen Space
18:00AbendpauseAbendpauseAbschlussrunde
19:30CoCreationCrew zur Campusgestaltung
20:00 – 22:00Ronjas Wandelradreise durch den NordenVortrag: Sicherheit neu denken
Ablaufplan Campus 2020 mit allen Workshops

Campus-Auftakt

Fast das spannendste am Campus ist jedes Jahr zu sehen, wer dabei ist und welche neuen Projekte von den Aktivisti verfolgt werden. Statt Umarmungen oder sogar Tänze aus aller Welt wie im letzten Jahr, begann der diesjährige Campus mit einem gemeinsamen Bildmalen. Alle teilnehmende malten gemeinsam am Whiteboard ein Wandel-Wimmel Bild…

Die künstlerische Einstimmung (links 2020, rechts 2019)

Auch viele andere Fragen der Herkunft, Stimmung und Soziometrie wurden visuell beantwortet, was das Whiteboard in BigBlueButton überraschend gut ermöglichte.

Alle Teilnehmenden waren in einer Chat-Gruppe, parallel wurde auf einem Pad nicht nur protokolliert sondern auch live das Programm für den Auftakt weiterentwickelt und langfristig sind alle über eine wechange-Gruppe vernetzt, wo auf einer Karte ersichtlich ist, wo jeder herkommt. All das hat zu einem hohen Gefühl der Verbundenheit beigetragen.

Neben der Vorstellung der Campus-Inhalte und des Rahmens stellten sich auch neue sowie herausragende Projekte vor wie die Wandelreise, der Kongress “Soziale Zukunft”, die Projektplattform Ideen³ e.V. oder die Transition-Town-Initiative Darmstadt mit ihrem bunten Blumenstrauß an Projekten. Abschließend erläuterte Lisa Brokmeier vom EPIZ-Reutlingen die niedrigschwelligen Fördermöglichkeiten durchs “Junge Engagement-Programm

Zwischendurch, um nicht vorm Laptop ein zu schlafen, spielten wir einen “Engergizer”, bei dem jeder ein grünes Blatt von draußen möglichst schnell vor die Kamera bekommen musste. Für manche ein Solidaritätsstatement für die Kollegen, die im Dannenröder Wald für ernsthaften Klimaschutz protestieren.

Anarchie?

Eine kleine Einführung in die Idee des Anarchismus

Ein Brainstorming zu den Wörtern Anarchie – Anarchismus, zeigte, welches Bild von Chaos und Krawall über diese Form der Selbstorganisation vorherrscht. Eine Definition und Abgrenzung von verschiedenen Begriffen half hier bereits weiter:

  • Anarchie <-> Anomie
  • Herrschaft, Autorität, Macht
  • Autonomie <-> Gegenseitige Hilfe

Mit der Analyse grundlegender Herrschaftsmechanismen und der Prinzpien des Anarchismus stellten wir fest, dass viel Bewusstseinsarbeit nötig ist, um das Konzept wert zu schätzen und besonders um es an zu wenden. Konsensuale und dezentrale Entscheidungsfindungsmethoden erfuhren wir genauso wie den Umgang mit Vielfalt.

Welche Wege führen zu einer guten “Anarchie”? Es gab ja bereits verschiedene Kämpfe und nicht immer war die Ziel-Mittel-Relation ausgewogen. Wir beleuchteten kritisch direkten und undogmatische Aktionsformen verschiedener anarchistischer Strömungen. Abschließend sammelten wir Beispiele für gelebten Anarchismus:

Ronjas Wandelradreise durch den Norden

Nachdem Ronja wegen Corona unerwartet früh aus Indien zurück musste, sah sie Deutschland nicht nur aus anderen Augen, sondern auch mit dem Mut, eine andere Welt in Deutschland zu entdecken. Eine Wandel-Welt der integralen Nahrungssicherung. Inspiriert von Permakultur und Ökodörfern in Indien machte sie eine Fahrradtour von Hamburg über die Ostsee bis nach Berlin und brachte schöne Bilder aus Ökodörfern mit.

Ronjas Stationen sind auf dieser Karte festgehalten:

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Selbstbestimmt Studieren

Lernen wir in den öffentlichen Bildungseinrichtungen wirklich, was die Welt für eine lebenswerte Zukunft braucht? Bedeutet qualitative Bildung heute wirklich immer mehr und immer besser? Dieser Workshop über freies Studieren mit Charlotte und Elisbeth zeigte die Hintergründe für die Idee des freien Studierens und der Eröffnung eines Studiengangs. Im offenen Austausch teilten sie wie wir lernen und was uns unsere Systeme dazu geben? Außerdem wurde dargestellt, wie sie ihre Dozenten für den freien Studiengang gefunden haben und wie die Akreditiert erreicht wurden.

Meine Stadt von morgen

Mit Anna Rogund und Helmut Wolman vom Team der Karte von morgen

Was sind die größten Herausforderungen deiner Generation? Damit begann der Workshop zur Karte von morgen in dem es darum Ging, unsere Städte und Gemeinden so um zu bauen, dass ein nachhaltiger Konsum unumgänglich ist. Und um zu wissen, was lokal nachhaltig ist, sammelten wir zunächst, welche globalen Probleme und erwarten und welche Konzepte wir darauf kennen.

Herausforderungen (gelb) und Lösungskonzepte (grün) für eine lebenswerte Zukunft.

Vorbereitet, mit diesem Kompass für nachhaltige Entwicklung durchzogen wir unsere Städte in ganz Deutschland, je nachdem wo wir gerade waren und suchten Beispiele und Pioniere des Wandels, die für ein zufriedenes und klimafittes Lebens schon jetzt da sind. Diese wurden auf der Karte von morgen kartiert und mit den Positivfaktoren bewertet.

Abschließend fragen wir uns, welche Optionen wir besondres in unserer Berufswahl und Zukunftsgestaltung noch haben, für eine zukunftsfähige Welt:

Ideen der Teilnehmenden für nachhaltige Jobs und Lebenstipps.

Sharing is Caring -TauschlogikFREIheit

Der Referent Thomas Heinrich stellte sich vor und wie er selber seit einigen Jahren Tauschlogikfrei-reich und geldarm in Wien lebt.

Nach einer Kennlernrunde und einem Vortrag diskutierten wir dann die Unterschiede von Tauschlogikfreiheit, Share Economy und Schenkökonomie und erfuhren die Geschichte der TauschlogikfreiIheit, wie es in Familien schon immer der Standard ist. Keine direkte Gegenleistung gibt es sonst noch in Sippen und Klans. Aber wo finden wir Tauschlogikfreiheit heute noch? Oder Wieder? Mehr und mehr Freundeskreise, Familie, teilweise in Nachbarschaften gibt es immer mehr positive Erfahrungen und Strukturen, die wir am Ende vorstellten.

Diese Karte zeigt alle Gruppen für Tauschlogikfreiheit:

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Was ist die Gemeinwohl-Bilanz und was transformiert sie?

Sehr gut durchdacht, spannendes Konzept, mitreißend. Den Wert von Unternehmen und Gemeinden anders Bewerten, nicht nach Wirtschaftskraft sondern danach, wie viel das Unternehmen für das Gemeinwohl tut. Steuervorteile für gute Unternehmen, damit wird Umweltzerstörung unwirtschaftlich.

Initiative »Sicherheit neu denken«

Vortrag von Ralf Becker

Wie bei der Energiewende eine Sicherheitswende schaffen. Nur weil alle sehen, dass es mit erneuerbaren Energien geht, braucht keiner mehr Atomkraft. Das gleiche Ziel hat die Friedensinitiative der Landeskirche. Durch positive Beispiele zeigen, wie es friedlich und zivil gelingt.

  • 5 Säulen gewaltfreier / ziviler Sicherheitspolitik
  1. Gerechte Außenbeziehung – gerade zu Afrika. Gute Beispiel: Kohleausstieg bis 2038 und Lieferkettengesetz
  2. Sogeffekt für Demokratisierung durch gezielter Förderung von Entwicklungsländer auf einem Friedlichen Weg
  3. Nato soll Zielgerichtet abgerüstet und in die OSZE überführt werden. Bessere Finanzierung der UN. 
  4. Zivile Friedensfachkräfte ausbilden
  5. Resiliente Demokratie: Überall Moderations und Mediationsworkshops durchführen

Mitmachen: https://www.sicherheitneudenken.de/html/kontakt6306.html

Bedingungsloses Grundeinkommen

Vorteile

  • Leistungen werden momentan nicht gerecht bewertet ( Arbeit nicht gleich Erwerb) mit dem Grundeinkommen schon.
  • Angleichung der gesellschaftlichen Verhältnisse   
  • Gesamt gesellschaftliche leistung Einzelner wird anderes gewertschätzt, z.B. Musiker oder Künstler   
  • motiviertere Mitarbeiter, da sie sich Arbeit selbst aussuchen können und nach Interesse entscheiden können-> dadurch profitieren Unternehmen, Produktivität steigt
  • Anreiz für Unternehmer Arbeit attraktiver zu machen
  • Menschen sind gesünder und glüklicher (vergl. Projekt  Namibia)
  • weniger Armut für Alleinerziehenede   
  • mehr Gleichberechtigung für Frauen
  • Mehr Möglichkeiten zur freien Entfaltung des Einzelnen
  • weniger Diskriminierung von Ausländern/Geflüchteten, da Neid und Angst verschwindet, z.B. eigene Arbeit zu verlieren oder finanziell zurückzustecken
  • bei globalem Grundeinkommen werden Fluchtursachen reduziert
  • bei Pilotprojekten hat begrenztes Grundeinkommen deutlich positive Entwicklung hervorgerufen   

Nachteile

  • Freiheit als Herrausforderung, steigender Alkohol- und Drogenkonsum   
  • Scheidungsrate steigt

grundeinkommen.de/termine    gruenes-grundeinkommen.de    ebi-grundeinkommen.de

Nachhaltiger Aktivismus

Das Modell von Meike Randecker basiert auf drei Säulen:        

  1. individuelle Resilienzstrategien ( auf eigene Ressourcen achten, wie kann ich meineKapazitäten aufrechterhalten)         
  2. kollektive Resilenzstrategien ( wie kann ich meine Gruppe nachhaltig motivieren? )  Denn nicht allein sein, sondern gemeinsam aktivistisch werden schont eigene Ressourcen.
  3. Reflektion ( wie kann der Aktivismus nachhaltig wirken? wie kann eine gemeinsame Strategie entwickelt werden?)

Für den Wandel braucht es verschiedene Dinge:  

  • alternative Systeme ( z.B. GWÖ, Fairtrade, eigener Gemüseanbau…)
  • Aktionen/Protest
  • Bewusstseinsarbeit (quasi Herzkapazität stärken)

Körper & Trauma:

unser Nervensystem hat drei Grundmodi:

  • Parasympathikus (vorderer zehnter Hirnnerv): offener Wohlfühl- & Chillmodus
  • Sympathikus: Kampf- & Fluchtmodus
  • hinterer Nervus Vagus: zehnter Hirnnerv aktiv => Stell-mich-tot-Reflex (kann auch chronisch werden, typische Symptome Antriebs-, Lust- u Energielosigkeit)

Es gibt ein Window-of-Tolerance unserer Lebensenergie:

  • in mittleren Bereich sind wir ok
  • dominiert der Sympathikus, sind wir dauerhaft im Stress, in der Überkopplung
  • hat der hintere Vagus-Nerv die Kontrolle, fallen wir in eine Lethargie (Unterkopplung)

Wie kommen wir da wieder raus?

  • z.B. durch kurze Körperaktivierung: 1-5min Ganzkörperschütteln, Zittern, Playfighting o.ä.

Vier Grundemotionen:

  • Wut: Bewusstseins- u. Kontrollverlust, verurteilend, ungeschickt
  • Trauer: Verlust, Reflektion, Reue, Enttäuschung, unangebracht
  • Angst: Schock, Unzuversicht, Unsicherheit, Lähmung, Überwältigung
  • Freude: Flow, Kraftquelle, Lachen, (zu viel) Albernheit

Positive Wirkung dieser Emotionen

  • Trauer: Verarbeiten, Akzeptanz, Loslassen, Gemeinschaft
  • Angst: Schutz, vorhersehend, Sorge/kümmern, Veränderungsbereitschaft
  • Freude: Harmonie, Aktivierung, Orientierung, verbindend
  • Wut: Aktivierend, befeuernd, Tapferkeit, Mut, Klarheit 
  • Emotionale Kapazität positiv nutzen => Selbstregulation => Handlungsfähig bleiben & Resilienz 
  • Feiern als wichtiges Element des Aktivismus (Planen, Handeln, Feiern/)

Was zieht uns Energie bei unseren aktivistischen Bestrebungen:

  • als schwierig / frustrierend / ineffizient wahrgenommenes Teamwork*
  • -»: alleine geht man schneller, zusammen kommt man weiter ; )
  • Zweifel an der Sinnhaftigkeit
  • Zeitdruck bzw. Aufmerksamkeitskonkurrenz (Arbeit, Schule)

Was gibt uns Energie (v.a. im Gruppenkontext):

  • Verbundenheit: das Gefühl, Rückhalt zu haben
  • Balance zu halten zwischen Selbst und Gruppe, Autonomie  & Verbindung
  • Freude an Erreichtem

Vorstellung: der Kunstbus kommt

Ein Kunstprojekt für Bildung, Umwelt und Soziales Miteinander stellt sich vor und denkbar wäre, das ehemalige internationale Freiwillige mitmachen und auf Tour gehen, um den Wert von künstlerischer Bildung für Kinder zu zeigen.

Fazit

Verglichen mit dem wesentlich geringeren Organisationsaufwand (weder Räumlichkeiten noch Kochteam oder anreise) hat sich der Campus für alle gelohnt, auch wenn der soziale Kontakt, Berührung und die kleinen flüstergespräche am Rande sehr fehlten. Die Interaktion über die BigBlueButton Plattform kam aber sehr gut an und die Inhalte standen sehr im Mittelpunkt.

Besonders schön war auch der große Anteil neue Teilnehmender und ehemaliger Freiwilliger, die erst im März zurück gekommen sind.

Hoffen wir, nächstes Jahr sehen wir uns alle wieder live.